„Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.“

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Ich habe mich richtig gefreut, als die Kanzlerin der FernUni Hagen, bei der Abschlusskonferenz einer internen Workshop-Veranstaltung diesen Satz aus meinem Workshop zitiert hat und meinte, dass das doch eine gute Einstellung für die Zukunft ist. Ich muss aber zugeben, dieser kluge Satz stammt nicht aus meiner Feder, sondern es war Pippi Langstrumpf bzw. Astrid Lindgren, die ihr diesen Satz in den Mund gelegt hat.

Ich habe schon öfter mal Workshops in Präsenz gegeben innerhalb meiner Organisation, doch noch nie für eine fremde Institution und erst recht nicht in virtueller Form, dementsprechend war ich ein wenig aufgeregt, wie es denn werden würde.

Letzten Dienstag war es dann soweit, ein Kollege von der Uni Düsseldorf und ich haben gemeinsam den Workshop zu Design Thinking for services gestaltet. Was ist Design Thinking? Design Thinking ist ein Ansatz bzw. Framework zur Generierung von Ideen und Lösung von Problemen mittels unterschiedlicher Kreativitätsmethoden in einem iterativen Prozess. Die Methode fokussiert sich insbesondere auf Benutzer*innen und Kund*innen und ist sehr zweck-und Lösungsorierentiert, Die Idee und das Konzept stammen aus dem Hasso Plattner Institute of Design, Stanford University https://www.design-thinking-playbook.com/. Die Methode wird z.B. in der Produktentwicklung, in der Geschäftsideeentwicklung aber auch zur Entwicklung von innovativen Prozessen zum Beispiel im Servicebereich eingesetzt. Zu Anfang einer jeden Design-Challenge steht immer ein Problem für das eine Lösung gesucht wird. Die Lösungssuche läuft dann iterativ immer in einem gleichen Ablauf ab, wie das untere Schaubild verdeutlicht:

Quelle: Dozenten der HPI Academy, DESIGN THINKING DER KREATIVE WEG ZU INNOVATIVEN LOSUNGEN. Hamburg 2017.

Zunächst geht es darum das Problem der Kundin oder des Kunden zu verstehen. Dabei ist es bedeutsam, dass nicht nur die Aussagen zählen, die tatsächlich gesagt werden, sondern das Verhalten analysiert wird, indem man zum Beispiel auch über Bereiche spricht, die vielleicht gar nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun haben, sondern vielmehr Dinge sind, die die Person ausmachen, ihre Werte und Charaktereigenschaften. Danach geht es in die Phase der Definierung der Sichtweise, wie sollte ein Lösung sein für die Person, es geht hier noch nicht um das „was“ sondern darum festzuhalten, was wirklich im Kern von Bedeutung für die Person ist. In der Ideation Phase gilt es dann Lösungen zu finden, in dieser Phase dürfen Ideen ohne jegliche Grenzen im Kopf also erstmal unabhängig von ihrer Machbarkeit zum Beispiel in Bezug auf Geld oder Personal entwickelt werden. Erst, wenn es in die Prototypen-Phase geht, wird überlegt, welche Idee am erfolgsversprechendsten ist, diese wird ausgewählt und zu einem Prototypen umgesetzt. Zum Beispiel in der App-Entwicklung kann beispielsweise auf Papier skizziert werden, wie die App aussehen wird, in der Produktentwicklung wird der Prototyp in der Regel gebastelt oder vielleicht auch schon mal im 3d-Druck gedruckt, danach gehts in die Testing Phase. Hier wird die Lösung der Kundin oder dem Kunden präsentiert und intensives Feedback eingeholt. Je nachdem, wie das Feedback ausfällt, wird der Prototyp angepasst oder es geht sogar ganz zurück in die Definierungsphase, wenn herauskommt, dass es überhaupt nicht das ist, was die Kundin oder der Kunde wollte.

Wichtig bei Design Thinking ist die Kultur bzw. die Haltung, die man einnimmt, wenn man einen Design Thinking Prozess durchläuft. Einige der Punkte erinnern auch sehr an das agile Mindset. Bei Design Thinking steht vor allem eine gute Fehlerkultur („fail often and therefore early“) sowie eine gute und permanente Reflektion im Fokus. Jede Phase kann beliebig oft wiederholt bzw. wieder durchlaufen werden. Erst wenn die Tests eines Prototypen als Lösung erfolgreich gelaufen sind, würde der Prototyp in eine echte Umsetzung gehen.

Im Workshop haben wir nur die Ideation Phase durchlaufen, das war allein schon spannend zu sehen, wie schnell Ideen entstanden sind. Diese Phase haben wir mit der Pippi-Langstrumpf-Methode gestaltet. Bei der Methode „Was würde Pippi Langstrumpf tun?“ handelt es sich um eine Kreativmethode, die im Design-Thinking-Prozess angewendet wird, die aber auch als reine Brainstorming-Methode funktioniert. Es geht darum, einmal völlig losgelöst von der Realität wilde Ideen oder Lösungen zu entwickeln, im Verlauf des Design-Thinking-Prozesses werden dann diese Ideen auf ihre Umsetzbarkeit evaluiert werden. Oft kommt es zu der Erkenntnis, dass die Ideen vielleicht gar nicht so verrückt sind, wie sie anfangs erscheinen.

Ich will an dieser Stelle gar nicht so intensiv mehr auf die Methoden eingehen, da wir bestimmt in Zukunft mal einen Kurs dazu gestalten werden. Was mir im Rückblick wichtig ist festzuhalten, ist dass ich auch am Anfang Zweifel hatte, ob das wohl gut gehen wird, so die üblichen Gedanken „Das habe ich noch nie gemacht.“ „Bin ich überhaupt Expertin genug?“ „Wie wird das sein, nur virtuell auf Menschen reagieren zu können? „Wird die Technik funktionieren?“ und als ich die Gedanken im Kopf hatte, musste ich plötzlich lachen, als ich dann nochmal an den Spruch von Pippi denken musste. Als ich dann nach weiteren Sprüchen von ihr gesucht habe, bin ich auf die folgenden Sätze gestoßen:

.„Die Welt ist voll von Sachen, und es ist wirklich nötig, dass sie jemand findet.“

„Warte nicht darauf, dass die Menschen Dich anlächeln. Zeige ihnen, wie es geht!“

„Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.“

„Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.”

Es ist schon spannend zu sehen, wie man immer wieder in solche Zweifel-Situationen gerät, aber solche Methoden wie Design Thinking oder noch mehr die Pippi-Langstrumpf Methode zeigen, dass es eigentlich kein wirkliches Scheitern gibt, sondern wir können immer wieder die Phase nochmal durchlaufen und es beim nächsten Mal besser machen. Oder wir stellen fest, dass wir die ganze Zeit nach einer Lösung für ein Problem suchen, das gar nicht das Problem ist. Die Design Thinking Methode wird meist in der Produktentwicklung eingesetzt, aber ich finde man kann sie manchmal auch ganz gut bei sich selbst einsetzen: bevor wir hektisch nach Lösungen für ein vermeintliches Problem suchen, sollten wir das Problem und unsere Sichtweise nochmal genauer definieren. Wenn wir dann nach einer Lösung suchen, sollten wir nicht enttäuscht sein, wenn es nicht gleich die richtige Lösung ist, vielleicht lieber erst mal drei kleine Schritte in eine neue Richtung gehen, diese überprüfen und wenn es sich nicht richtig anfühlt, dann geh halt einfach mal in die andere Richtung gehen. Fehler machen, heißt nicht Scheitern, sondern lernen und erfahren!

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